»Das ist derselbe Kampf«

von Mark Roth
Magazin »der rechte rand« Ausgabe 181 - November / Dezember 2019

#FridaysForFuture

Kaja (16) ist in der Fridays-for-Future-Ortsgruppe Hannover organisiert.
Für »der rechte rand« sprach Mark Roth mit der Aktivistin.

Antifa Magazin der rechte rand
Fridays for Future zum #Klimastreik
© Mark Mühlhaus / attenzione

drr: Ihr geht seit Monaten auf die Straße und bekommt dafür viel Zuspruch. Gleichzeitig werdet ihr hart angegriffen. Redet ihr darüber?
Kaja: Ja, wir hatten in Hannover schon mehrfach die Situation, dass die »Klimakontroverse«, das sind Klimawandelleugner*innen, eine Gegenkundgebung parallel zu unseren Aktionen durchgeführt hat. Da haben wir darüber diskutiert. Und als wir letztens eine Anhörung im Rathaus hatten, da hat die AfD auch gegen uns gesprochen.

Ihr seid ja teilweise echt jung und zum Beispiel Greta ist auch oft persönlich angegriffen worden. Wie geht ihr damit um?
Wenn sowas ist, schreiben wir das in unseren internen Info-Channel oder reden privat darüber. Aber wir sind alle so am Limit mit der Arbeit, dass wir gar keine Zeit haben, uns darüber Gedanken zu machen.

Aber ihr hattet doch ein Seminar dazu?
Das war nicht von uns direkt. Einige befreundete Aktivistis haben eine Jugendkonferenz organisiert, für andere Aktivist*innen, die wir auch über unsere Kanäle beworben haben. Da ging es gegen Klimawandel, Nazis und Kapitalismus. Wir sehen, dass gerade viele Jugendliche hinter uns stehen und sich dafür interessieren, was wir sagen. Und wir versuchen, sie auch in anderen Themenfeldern zu politisieren. Deshalb bewerben wir sowas dann auch. Und weil Antifaschismus und Klimagerechtigkeit zusammengehören.

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War das für dich immer so?
Nein, gar nicht. Ich bin jetzt seit ungefähr einem Jahr aktiv und mir war vorher nicht klar, dass Antifaschismus, Feminismus und Klimawandel alles zusammengehört und auch wichtig ist. Wir können nicht sagen, wir wollen Klimagerechtigkeit, ohne aber Antifaschismus und Feminismus zu beachten. Wir wollen ja eine offene Gesellschaft, für alle, und gleichzeitig muss die Klimakrise bekämpft werden. Das ist total schwierig: Einerseits brauchen wir radikale Maßnahmen, andererseits wollen wir die ganze Gesellschaft mitnehmen. Diesen Spagat müssen wir irgendwie schaffen. Aber ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg, weil FFF breit unterstützt wird. Klar gibt es Gegenwind, aber grundsätzlich kriegen wir total viel Zuspruch. Und den meisten ist, glaube ich, klar, dass der Kapitalismus maßgeblich Schuld am Klimawandel hat. Das ist kein Geheimnis, wer darüber nachdenkt, kommt da auch drauf.

Euer Hauptthema ist Klima. Aber ihr gendert, ihr liked Seenotrettung, seid gegen Rassismus. Ist das jetzt das Ergebnis eines Jahres?
Also ich war vorher stark antifaschistisch interessiert und das Klima-Thema kam erst später dazu. Aber ich würde schon sagen, dass es total viele Menschen auf allen Ebenen politisiert hat und da nicht nur die Klimakrise im Vordergrund steht.

Nochmal zurück auf die Anfeindungen. Ihr werdet ja teilweise von politischen Schwergewichten angegriffen. Nicht nur von der AfD, auch von Leuten wie Christian Lindner.
Ich glaube, die Politiker*innen merken auch, dass wir gerade viel Zuspruch bekommen, viel Energie haben und viele Menschen auf die Straße bringen. Das macht denen irgendwo Angst. Die Fakten kann auch ein zehnjähriges Kind verstehen. Ich halte das für eine Strategie, uns kleinzureden und das Problem nicht anzuerkennen.

Schüler*innen in Hamburg standen ja auch schon im Fokus der AfD, im Rahmen des Meldeportals. Gibt es da ein »Wir-Gefühl«?
Ja, auf jeden Fall. Generell ist das »Wir-Gefühl« in der Fridays-for-Future-Bewegung total stark. Und auch wenn ich mir den Kampf von Antifaschist*innen weltweit angucke, fühle ich mich denen verbunden. Deren Kämpfe sind auch unsere Kämpfe.

Wo siehst du noch Überscheidungen zu anderen Kämpfen?
Wir hatten schon Workshops zum Thema »Klimakrise/ Kapitalismus – wie gehört das zusammen?«. Rojava ist für die Klimagerechtigkeitsbewegung auch ein großer Punkt. Die haben dort versucht, eine demokratische, feministische und klimagerechte Gesellschaft aufzubauen. Und wenn die angegriffen werden, ist das auch ein Angriff auf die Klimagerechtigkeitsbewegung.

Bringt ihr die anderen Themen auch auf euren Freitagsdemos ein?
Auf der letzten Demonstration haben Kurd*innen über Rojava gesprochen. Wir haben auch antikapitalistische Redebeiträge. Wir versuchen, das langsam reinzutragen, um die Leute mitzunehmen. Meine Klassenkamerad*innen denken zum Beispiel beim Stichwort »Antifa«: »Das sind doch die linksextremen Spinner« – denen muss man erstmal sagen, was das ist und was das bedeutet.

Jetzt gibt es parallel die Mobilisierung zur Aktion von »Ende Gelände« in der Lausitz und zum AfD-Parteitag in Braunschweig. Was macht ihr da?
Die Trennung sollte man nicht machen: Diejenigen, die zu »Ende Gelände« fahren, interessieren sich fürs Klima und diejenigen, die zum AfD-Parteitag fahren, für Antifaschismus. Eigentlich gehört das doch alles zusammen. Das ist derselbe Kampf, der gekämpft werden muss. Wir brauchen Menschen bei »Ende Gelände« und wir brauchen Menschen bei den Aktionen und Blockaden gegen den AfD-Parteitag.

Vielen Dank für das Gespräch!