der rechte rand

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Druckzeitpunkt: 19.05.2022, 17:37:43

RECHERCHE. ANALYSE. PERSPEKTIVE.

Das antifaschistische Magazin

Antifa Magazin der rechte rand

Aktuelle Artikel

#Neonazis

Mit der »Dresdner Schule« in Meerane versuchte die NPD ihr Klientel zu intellektualisieren.

Weltanschauliche Schulung in der NPD

#Ostpreussen

Das »Ostpreußische Landesmuseum« in Lüneburg gibt sich geläutert, die revanchistischen Wurzeln seien gekappt. Doch das Museum ist weiter fest in der Hand der »Vertriebenen« – und in einem Förderverein haben Rechte das Sagen.

»Wild, Wald und Pferde«

#Nazis

auf russischer Seite und der ukrainischen Seite mitten im Krieg

Krieg und Nazis

#Putin

Der medialen Pathologisierung Putins als einen irren Herrscher im Kreml steht die Tatsache gegenüber, dass seine gegenwärtige Politik nur die Fortsetzung einer seit langem betriebenen autoritären, großrussischen Agenda darstellt. Sein offenkundiges Ziel, die Wiederherstellung eines russischen Imperiums, geht bis auf das Zarenreich zurück und speist sich ideengeschichtlich aus diversen reaktionären Quellen.

Reaktionär, autoritär, nationalistisch

#International

Seit Anfang 2021 vollzieht sich ein Prozess der Kooperation zwischen Parteien der extremen Rechten in Europa. Nachdem rechtspopulistische und extrem rechte Parteien bei den letzten Wahlen zum Europäischen Parlament gestärkt in dieses eingezogen sind, soll nun offenkundig die gemeinsame Schlagkraft erhöht werden.

Formierung der extremen Rechten in Europa

#Sprachschatz

Die allermeisten Menschen in Deutschland werden dieses Wort nicht kennen. Kaum jemand weiß, was dieser Begriff mit dem »Abschnitt B II e« zu tun hat oder warum Menschen in eben jenem Abschnitt als »Z« gekennzeichnet wurden. Die Tatsache, dass wir im Jahr 2020 noch immer den Porajmos nicht kennen, ihn nicht einordnen oder unseren Kindern erklären können, ist eine Tragödie, eine bodenlose Frechheit.

Porajmos

#Frankreich

Diese Konstellation zeugt von einer erheblichen ideologischen Radikalisierung bei Teilen der französischen Konservativen – ein Prozess, der vor nunmehr gut fünfzehn Jahren eingeleitet wurde.

Ein Blumenstrauß an Möglichkeiten

#Reaktionäre

Mit unserem Schwerpunkt zu »Reaktionären« wollen wir diesen in der politischen Debatte wieder aufgetauchten Begriff genauer bestimmen.

INTRO – Reaktionäre

#AntifaMagazin zum hören

INTRO

Ausgabe #195
März
2022

von der Redaktion
des antifaschistischen
Magazins

Liebe Leser*innen,

mit unserem Schwerpunkt zu »Reaktionären« wollen wir diesen in der politischen Debatte wieder aufgetauchten Begriff genauer bestimmen. Wer und was ist mit »Reaktionär« gemeint? Handelt es sich eher um eine politische Haltung als um eine eng abgegrenzte Ideologie? Eine Haltung gegen Fortschritt, gegen Emanzipation und gegen demokratische Prozesse – einhergehend vor allem mit dem Bewahren von Altem, tatsächlichem und fantasiertem: Männer- und Frauenrollen, Sexualität, Religion, gesellschaftliche Ordnung, Rassismus … Während es einerseits klar zu verortende Theoretiker – eigentlich immer nur Männer – der »Reaktion« gibt, finden sich reaktionäre Haltung nicht ausschließlich im organisierten Konservatismus oder unter Rechtsradikalen, sie strahlen auch in die Gesellschaft aus.

Ende Februar wurden wir, genau wie die große Mehrheit der Welt, von einem russischen Autokraten überrascht, der einen Angriffskrieg gegen ein benachbartes Land führt. Wladimir Putin und seine Armee überfielen am 24. Februar 2022 die Ukraine. Neben Erklärungen, die von geopolitischen Interessen getragen sind, wird seitens Russlands auch eine angeblich erforderliche »Entnazifizierung« der Ukraine und ein sich anbahnender »Genozid« an der russischen Bevölkerung in dem Land zur Begründung ins Feld geführt. Zu Redaktionsschluss drängt sich aber der Verdacht auf, dass im Osten der Ukraine eine ethnische Vertreibung von über 2,5 Millionen Ukrainer*innen vonstatten geht. Als kriegsführender Antidemokrat ist Putin schon lange bekannt. Tschetschenien und Syrien sind hier wohl die brutalsten Beispiele, wo die russische Armee Zivilist*innen bombardierte.

Trotzdem denken wir nicht als erstes an Putin, wenn wir bisher über reaktionäre Führer und Antidemokraten nachdachten. Warum nicht? Warum denken wir an Donald Trump, Victor Orban, Recep Tayyip Erdogan, Jair Bolsonaro, Ali Chamenei und die vielen anderen – aber nicht an den Kreml-Chef mit imperialistischen und chauvinistischen Machtphantasien, der die Bevölkerung schon lange auf einen Kampf gegen den »dekadenten« Westen einschwört?
Mit Dekadenz ist nicht der zur Schau getragene Reichtum und Einfluss der Oligarchen gemeint und auch nicht, dass diese über Gesetz und Moral stehen. Nein, sinnbildlich für diese Dekadenz stehen die Rechte und die Sichtbarkeit derjenigen, die in der »guten alten Zeit« als »Randgruppen« wahrgenommen und diskriminiert wurden. Konkret geht es unter anderem gegen Feminismus, gegen LGBTQ, gegen demokratische Selbstbestimmung, gegen eine moderne Linke und gegen geflüchtete Menschen – kurzum gegen die Moderne und gesellschaftlichen Liberalismus mit seinen Widersprüchen. Hinzu kommt: vom Aushebeln demokratischer Kontrolle und Entscheidungen profitieren der Machthaber und »seine« Elite.
Die aktuelle Situation der Rechten in Deutschland – auch in Bezug auf den Krieg – beschreibt Volker Weiß in seinem Text. Wir werfen aus aktuellem Anlass auch einen Blick auf die Ideologie hinter Putins Verhalten und analysieren die Parteinahme der deutschen und europäischen Rechten in dem Konflikt. Wolfgang Laskowski beschreibt in seinem Text »Das Leitbild« zudem, wie Reaktionäre sich auf Altes berufen und es zu etwas vermeintlich Unumstößlichen erklären wollen. Das betrifft die Fans von Bismarck ebenso wie die Verteidiger*innen der Hohenzollern und ihrer Ansprüche auf altes Eigentum.

Eine treibende Kraft von reaktionärer und revanchistischer Politik waren bis in die 1990er Jahre die Verbände der »Vertriebenen« mit Millionen Mitgliedern. Auch wenn sie heute nicht mehr diese Rolle spielen, wirken ihr Handeln und ihre Forderungen doch noch immer in Politik und Gesellschaft nach. Ihr Bild auf die Geschichte wird heute – zumeist staatlich subventioniert – in neuen Museen in Beton gegossen und so auf Dauer konserviert. Reaktionäre Politik und reaktionäre Vorstellungen bleiben also aktuell.

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Seit 1989 erscheint »der rechte rand« alle zwei Monate. Wir berichten über rechte Parteien, Kameradschaften, rechte Think Tanks, Webportale, Magazine und Verlage, Musikbands und Label, Aufmärsche und Tagungen, Themen und Kampagnen – in der Bundesrepublik sowie international. Fundierte und prägnante Recherchen und Analysen lenken die Aufmerksamkeit auch auf unterbelichtete oder ausgeblendete Aspekte. Das Magazin zeigt, wie der rechte Rand gesellschaftlich verankert ist und an Themen der gesellschaftlichen ‚Mitte’ anknüpft. Für unser Magazin schreiben Aktive aus antifaschistischen Gruppen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen. Unsere Autor*innen beobachten Aufmärsche aus der Nähe, berichten aus geschlossenen Veranstaltungen der rechten Szene, werten Flugblätter und Zeitschriften aus. Unsere Autor*innen sind Expert*innen und beschäftigten sich seit Jahren mit dem Thema.

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