RECHERCHE. ANALYSE. PERSPEKTIVE.
Das antifaschistische Magazin
Permalink: https://www.der-rechte-rand.de/ausgaben/ausgabe-217/
Druckzeitpunkt: 16.10.2026, 21:21:24
Das antifaschistische Magazin
#Menschenwürde
#Orban
#Solidarität
Liebe Leser*innen,
die Zitterpartien haben ein Ende. Die Prognosen haben sich bewahrheitet. Die »Alternative für Deutschland« hat sich 13 Jahre nach ihrer Gründung als Wahlsiegerin bei Landtagswahlen etabliert und wird in Sachsen-Anhalt als Regierungsbeteiligte – in welcher Form auch immer – gehandelt. Unser Fokus muss sich dementsprechend auf jene, die im Wahlprogramm, in Reden und Kommentaren der Rechtsradikalen als Feinde markiert sind, richten. Wie kann jetzt praktische Solidarität aussehen? Was benötigen die Vereine und Einzelpersonen an ideeller und materieller Unterstützung? Und vor allem, wie treten wir dem Gewöhnungseffekt entgegen?
Die Wahlen haben eine große mediale Welle vor sich hergeschoben. Auch im Nachgang war das Angebot an Erklärungen und Vorschlägen für den zukünftigen Umgang mit einer Partei, die zuverlässig zwischen 35 und 45 Prozent bei Wahlen bekommt, und ihren Wähler*innen schier unüberschaubar. Darunter waren etliche kluge, aber auch viele dumme Wortmeldungen. Dumm, weil zum einen die Selbstreflektion der eigenen Rolle bezüglich einer vorgeblichen Neutralität und der selbst generierten Aufmerksamkeitsökonomie fehlten. Dumm auch, weil die Fülle der Erfahrungen der letzten beiden Jahrzehnte mit den sogenannten Rechtspopulist*innen und die sie begleitende Forschung ignoriert wurden. Das trifft auch und vor allem auf die konservativen Wahlverlierer*innen von der CDU zu. Die Partei der Einheit und »blühenden Landschaften« ist mittlerweile ein Schatten ihrer selbst und verpasste in Mecklenburg-Vorpommern den Einzug in das Landesparlament. Die Mahnungen, der Wettlauf mit den »Rechtspopulisten« sei nicht zu gewinnen – und wenn dann nur zum Preis der Selbstaufgabe, verhallten. Im Gegenteil, es bedarf offenbar keines besonderen Mutes mehr, zumindest Gespräche mit den Rechtsradikalen zu fordern. Im Rennen zwischen Hase und Igel wird der Hase immer mehr zum Igel. Selbst die Forderung nach »Remigration« von 20 Millionen Menschen, die weder einvernehmlich geschweige denn friedlich über die Bühne gehen wird, ist 80 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus kein unüberwindbares Hindernis mehr. Der selbst erklärte »Erinnerungsweltmeister Deutschland« ist gut beraten, sich zur Selbstfindung in eine dunkle Kammer zurückzuziehen und den Rest der Welt nicht mit seinen wohlfeilen Ratschlägen und Moralpredigten zu belehren. Wir, das ist die Zivilgesellschaft mit all ihren Milieus und Facetten, werden weitermachen, enger zusammenrücken und uns weder verbieten noch verbiegen.
Am 18. August fand die Beisetzung von Alexander Häusler statt. Die Nachricht von Alex’ Tod hat uns tief getroffen und traurig gemacht. Wir – das antifaschistische Magazin der rechte rand – waren über Jahrzehnte mit ihm im Austausch. Auch wenn er in erster Linie der Zeitschrift lotta verbunden war, hat er Zeit für uns gehabt – als Autor und Interviewpartner. Wir haben ihn als umgänglichen und herzlichen Menschen kennengelernt und seine Ansichten und Analysen geschätzt. Mit Alex verlieren wir einen antifaschistischen Mitstreiter, der stets für Menschlichkeit und Solidarität eingestanden ist. Alex wird nicht vergessen!
Eure Redaktion
Seit 1989 erscheint »der rechte rand« alle zwei Monate. Wir berichten über rechte Parteien, Kameradschaften, rechte Think Tanks, Webportale, Magazine und Verlage, Musikbands und Label, Aufmärsche und Tagungen, Themen und Kampagnen – in der Bundesrepublik sowie international. Fundierte und prägnante Recherchen und Analysen lenken die Aufmerksamkeit auch auf unterbelichtete oder ausgeblendete Aspekte. Das Magazin zeigt, wie der rechte Rand gesellschaftlich verankert ist und an Themen der gesellschaftlichen ‚Mitte’ anknüpft. Für unser Magazin schreiben Aktive aus antifaschistischen Gruppen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen. Unsere Autor*innen beobachten Aufmärsche aus der Nähe, berichten aus geschlossenen Veranstaltungen der rechten Szene, werten Flugblätter und Zeitschriften aus. Unsere Autor*innen sind Expert*innen und beschäftigten sich seit Jahren mit dem Thema.
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