NSU: Mühsame Aufklärung

von Sandra Lex und Ernst Kovahl
Magazin "der rechte rand" - Ausgabe 162 - September 2016

Im November 2011 wurde bekannt, dass eine Gruppe polizeibekannter Neonazis jahrelang unerkannt gemordet, Bomben gelegt und Banken ausgeraubt hatte. Von Spitzeln umstellt und durch bekannte AktivistInnen der Szene unterstützt, lebte die Gruppe unbehelligt in Sachsen.

 

Fünf Jahre sind vergangen, seitdem die Polizei die Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im thüringischen Eisenach entdeckt hat. Fünf Jahre, seit sich Beate Zschäpe in Jena der Polizei mit den Worten »Ich bin die, die Sie suchen« gestellt hat. Zuvor hatte sie ein zynisches Bekennervideo versandt, das Licht in bis dahin ungeklärte Verbrechen brachte.

Morde, Anschläge und Überfälle

Seit November 2011 weiß die Öffentlichkeit, dass eine Gruppe polizeibekannter und zeitweise intensiv gesuchter Neonazis unter dem Namen »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) über dreizehn Jahre lang aus dem Untergrund mordete, Banken überfiel und Sprengstoffanschläge durchführte. Zwischen dem 9. September 2000 und dem 6. April 2006 ermordete der NSU in Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund und Kassel neun Männer, die eine türkische, kurdische oder griechische Migrationsgeschichte hatten. Am 25. April 2007 tötete die Gruppe die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn. In Köln detonierten am 19. Januar 2001 und am 9. Juni 2004 Sprengsätze: Einer richtete sich gegen eine deutsch-iranische Familie, die ein Lebensmittelgeschäft betrieb. Der andere explodierte auf der Keupstraße im Stadtteil Mülheim, einer Einkaufsstraße mit türkischen und kurdischen Geschäften. 15 Raub- und Banküberfälle werden dem NSU zugerechnet. Der letzte fand am 4. November 2011 auf eine Eisenacher Sparkasse statt und war Auftakt zur Selbstenttarnung des NSU.



im Gedenken an die Opfer des NSU

 

Netzwerk und nicht »Trio«

Seit fünf Jahren gibt es mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, die Taten, Motive und Struktur des NSU aufzuklären. Eine ungeheure Fülle an Informationen und Erkenntnissen aus Akten, ZeugInnenbefragungen und Recherchen ist seitdem zusammengetragen worden. Weiterhin gibt es mehr Fragen als Antworten.
Ungeachtet dessen sind zentrale Erkenntnisse gewonnen worden – unter anderem, dass der NSU