Nachwuchs-Schulung

von Kai Budler
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 221 Juli / August 2026

Mit einem neuen Schulungsangebot will die AfD im Bund und einigen Bundesländern dafür sorgen, dass die Mitglieder der Partei und ihrer Jugendorganisation qualifizierte Stellen in der Politik besetzen können. Auf die ihr nahe stehende Stiftung kann die Partei dafür noch immer nicht bauen.

Antifa Magazin der rechte rand
2018 saß Roland Hartwig, inks neben Beatrix von Storch, für die AfD noch im Bundestag. Heute schult er den extrem rechten Nachwuchs. © Christian Ditsch

Der Berliner Stadtteil Dahlem wird auf Immobilienplattformen als grüne Oase mit exklusiven Villen, ruhigen Straßen und einer angenehmen Wohnatmosphäre beworben. Doch Dahlem ist nicht nur »ein idealer Ort für Familien und Naturliebhaber«, auch Teile des Firmengeflechts der »Alternative für Deutschland« (AfD) haben hier ihren Sitz. In der Brümmerstraße 36 hat die Partei von einer wohlhabenden Rentnerin eine Villa im Wert von 2 Millionen Euro geerbt. Nun residiert hier die im April 2025 gegründete »Castel del Monte Immobilien GmbH«, deren Zweck der »Erwerb, die Vermietung/Verpachtung und die Verwaltung von Immobilien« ist. Alleiniger Gesellschafter der GmbH ist die »Tauroggen Holding GmbH«, die unter derselben Anschrift zu finden ist. Sie hieß bis Ende 2024 »Alternita Holding-GmbH« und befindet sich laut Rechenschaftsbericht der AfD im Besitz der Partei. Geschäftsführer ist der AfD-Schatzmeister Carsten Hütter, Einzelprokura hält der AfD-Bundesgeschäftsführer Hans-Holger Malcomeß, der früher im Goldhandel tätig war. Die Holding organisiert die wirtschaftlichen Aktivitäten der Partei und sorgt für die Verwaltung des parteieigenen Immobilienimperiums. Immerhin weist der Rechenschaftsbericht im Jahr 2024 für die AfD Grundstücke, Häuser und Wohnungen im Wert von 5,6 Millionen Euro aus.

»Erwachsenenbildung« in Dahlem

Anfang 2026 konnte das Firmengeflecht in dem dreigeschossigen Haus in der Brümmerstraße einen Neuzugang verbuchen: Seitdem ist unter der Anschrift in Dahlem die »Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH« gemeldet. Ins Handelsregister wurde sie bereits im Juni 2025 eingetragen, auch sie steht unter Verwaltung der »Tauroggen Holding GmbH«. Als Gegenstand des Unternehmens werden unter anderem genannt: »Erwachsenenbildung und Schulungen von Fertigkeiten zur Wahrnehmung für haupt- und ehrenamtliche Tätigkeiten in Politik und Verwaltung« und die Organisation von Veranstaltungen. Geschäftsführer der GmbH ist Andrei Hesse, Mitglied der AfD-Mandatsprüfungskommission. Einzelprokura hält auch hier AfD-Bundesgeschäftsführer Malcomeß. Die Gründung der GmbH zementiert nur die Macht des Faktischen, denn die »Akademie Schwarz-Rot-Gold« führte bereits 2023 in Leipzig ein erstes Seminar für Funktionär*innen der Partei und ihrer Jugendorganisation durch. Teilnehmer*innen kamen aus Berlin, Niedersachsen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Als treibende Kraft galt nach eigenen Worten Maximilian Krah, auch der Ex-Bundestagsabgeordnete und Vertraute von Parteichefin Alice Weidel, Roland Hartwig, war maßgeblich beteiligt. Auf der zugehörigen und inzwischen nicht mehr aufrufbaren Homepage hieß es: »Zur weiteren Professionalisierung unserer Partei bietet der Bundesvorstand im Rahmen der neu geschaffenen ‹?Akademie Schwarz-Rot-Gold› ab sofort Schulungen für Mandatsträger, Parteifunktionäre und Fachreferenten sowie für die Parteijugend an.«


Zwischendurch totgesagt, war die offizielle Gründung der GmbH als Kaderschmiede mit einem Startkapital von 25.000 Euro ein logischer Schluss aus der Situation der parteinahen »Desiderius-Erasmus-Stiftung« (DES). Weil der Bund entsprechende Gelder für die Stiftung bislang nicht freigibt, kann sie sich nicht um die Förderung des geeigneten Nachwuchses für die Parteiarbeit kümmern. Noch im März kritisierte die Stiftungsvorsitzende Erika Steinbach in einem Offenen Brief an Innenminister Alexander Dobrindt: »Das erste Quartal des Jahres 2026, von dem an der Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) gemäß Stiftungsfinanzierungsgesetz eine Bundesförderung zusteht, ist nahezu verstrichen. Und immer noch hat Ihr Haus vorgeblich die Prüfung, ob wir alle Förderbedingungen erfüllen, nicht abgeschlossen.« Sie halluziniert eine »staatliche Mißachtung der demokratischen Grundlagen unseres Landes« herbei und wirft Dobrindt vor, »die Prüfung der DES weiter parteitaktisch zu verschleppen«.

Kompetenz statt Verwandtschaft

Wenn sich aber die Umfragewerte der AfD in parlamentarischen Erfolgen niederschlagen, muss die Partei bei ihrem Personal mehr auf Kompetenz statt auf Verwandtschaftsverhältnisse achten. Sollte ihr mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wirklich der Griff nach der Macht gelingen, bräuchte sie etwa 200 Personen, um die Posten mit überwiegend hoher Qualifikation im Organigramm der Landesverwaltung zu besetzen. Sollte ein AfD-Finanzminister die im Februar 2025 verhängte Nachbesetzungssperre kassieren, würden bei der Landesregierung sogar mehr als 2.500 Stellen frei werden. Ein Bedarf, den die AfD mit ihrer Akademie decken will, die sich auch an ihre Jugendorganisation richtet. Nach hämischer Kritik aus den eigenen Reihen an der Rede von Julia Gehrckens beim Gründungstreffen der »Generation Deutschland« im November 2025 und auf Nachfragen zu Schulungsangeboten der Partei antwortet die AfD-Politikerin Marie-Thérèse Kaiser auf »X«: »Die Akademie Schwarz-Rot-Gold bietet Seminare an.« Auch die Landesverbände nehmen diesen Ansatz auf: So wurden jüngst in Bayern und Thüringen »Politische Akademien« aus der Taufe gehoben. In beiden Bundesländern hatten – wie in anderen Bundesländern auch – in der Vergangenheit schon parteieigene oder -nahe Strukturen Aus- und Weiterbildungen für Mitglieder, Funktionär*innen und Mandatsträger*innen der AfD angeboten. Doch die 2019 gegründete »Bayernakademie« ist schon lang nicht mehr aktiv, der entsprechende Link führt inzwischen auf die Seite der AfD in Bayern. Der 2018 in Thüringen eingetragene Verein »Carl-Joseph-Meyer-Stiftung e.V.« (s. drr Nr. 177 und 206) um den Vorstandsvorsitzenden Jens Dietrich wurde im März 2023 aus dem Vereinsregister gelöscht.

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»Bundesweites Leuchtturmprojekt«

Jetzt nehmen 40 überwiegend junge AfD-Mitglieder etwa zwei Jahre am ersten Probejahrgang der »Politischen Akademie Thüringen« teil. Schwerpunkt ist die Führungskräftenachwuchsentwicklung innerhalb des Landesverbands sowie die fachliche und organisatorische Qualifizierung junger Mitglieder. Als Leiter und Urheber der Kaderschmiede und selbst ernannten Denkfabrik tritt Roland Hartwig auf, der im November 2023 am extrem rechten Treffen im Landhaus Adlon in Potsdam teilgenommen hatte. In einem Interview unterstreicht er die »Vorreiterrolle« des Thüringer Landesverbands und spricht von einem »bundesweiten Leuchtturmprojekt«. Im südlichen Nachbarbundesland war das Projekt der Thüringer AfD Vorbild für die Gründung der »Politischen Akademie Bayern« mit bisher geplanten 118 Teilnehmer*innen. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte Parteichef Stefan Protschka, es gehe »nicht um ideologische Ausbildung, sondern um Schulung für die spätere Arbeit in Ministerien. (…) Wir bereiten uns auf die Übernahme von Regierungsverantwortung in den Ministerien vor.« Beauftragter der »Akademie« im Freistaat ist der stellvertretende Landesvorsitzende Rainer Rothfuß, als Berater fungiert Roland Hartwig. Er kündigte an, die »Akademie« könne demnächst auch auf Sachsen und Sachsen-Anhalt ausgeweitet werden. In Brandenburg soll eine solche Einrichtung im Herbst mit ihrer Arbeit beginnen, für den Aufbau soll der Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck verantwortlich sein. Auch in Baden-Württemberg, wo lange Zeit die »Gustav-von-Struve-Stiftung e. V.« den Nachwuchs schulen sollte, soll die Gründung einer »Akademie« geplant sein.


Die Flickenteppich-Landschaft der bisherigen Landesstiftungen und Vereine weicht damit einer bundesweit vernetzten Struktur, die für qualifizierten Nachwuchs sorgt, der frei werdende Stellen in höheren Positionen für die AfD besetzen soll. Das gilt nicht nur für Sachsen-Anhalt, wo die Partei sich aktuell der Machtübernahme sicher glaubt. Es ist ihr langjähriger Traum, Parlamente zu übernehmen. Und »dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!«, wie der heutige AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier schon vor zehn Jahren gedroht hatte.

Trump versucht, die Wahlen zu beeinflussen. Erstens durch die Änderungen bei der Briefwahl und zweitens durch die Verunsicherung, wie sicher diese ist, um dann drittens bei schlechtem Abschneiden bei den #Midterms besser von Wahlbetrug lügen zu können, um seine Anhänger wieder zu Gewalt aufzurufen.

#AntifaMagazin der rechte rand (@derrechterand.bsky.social) 2026-08-28T08:00:58.093Z