Rechte Russlanddeutsche – alte Bekannte

von Lara Schultz

Magazin »der rechte rand« - Ausgabe 161 - Juli 2016

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Der erfundene Überfall von »Flüchtlingen« auf Lisa aus Marzahn brachte das Mobilisierungspotenzial der russlanddeutschen Community für rassistische Anliegen ans Licht. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich: Die Akteure sind größtenteils alte Bekannte.

Seit 1950 sind rund 2,5 Millionen Menschen aus der Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten als AussiedlerInnen oder SpätaussiedlerInnen in die Bundesrepublik gekommen. 10.000 von ihnen gingen laut der Schätzung von Albrecht Kolthoff im Rahmen der rassistischen »Lisa«-Kundgebungen Ende Januar 2016 auf die Straße. Auslöser hierfür: Die 13-jährige russlanddeutsche Lisa aus Marzahn war eines Tages nicht nach Hause gekommen und hatte im Nachgang ihren Eltern die Geschichte einer Entführung und Vergewaltigung durch »arabischstämmige Flüchtlinge« aufgetischt. Diese Nachricht beherrschte tagelang russische und russischsprachige Medien, führte zu diplomatischen Spannungen zwischen Deutschland und Russland und rassistischen Kundgebungen im gesamten Bundesgebiet. In Berlin zum Beispiel hatte Genrih Grout (amtliche Schreibweise) / Heinrich Groth (eigene Schreibweise) eine Kundgebung angemeldet, deren Organisator der »Internationale Konvent der Russlanddeutschen« war. Im Internet schreibt Grout nach der Veranstaltung: »Das war der erste Sieg der russisch-deutschen Gesellschaft Berlins beim Vertreten ihrer gemeinsamen Interessen.«

Tatsächlich: Dass an einem Wochenende 10.000 überwiegend Russlanddeutsche bundesweit auf die Straße gehen, ist ein neues Phänomen – wobei man feststellen muss, dass sich in der Mehrheitsbevölkerung vor allem durch PEGIDA längst die Bereitschaft etabliert hat, rassistische Ressentiments auf der Straße zu manifestieren.

Grout weiß, was dieses Mobilisierungspotenzial wert ist. Seit Jahren nimmt er für sich in Anspruch, die Interessen der Russlanddeutschen zu vertreten – immer im Fahrwasser der extremen Rechten. Bereits in der Sowjetunion war Grout als Vorsitzender der »Allunionsgesellschaft der Sowjetdeutschen ‹Wiedergeburt› für