Aus alt mach neu
von Kai Budler
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 218 - Januar | Februar 2026
#DeutscheJugend
Mit der »Generation Deutschland« hat die AfD nun wieder eine offizielle Jugendorganisation, die enger als ihre Vorgängerin an die Partei angebunden ist. Entstanden ist eine professionalisierte und gut vernetzte Radikalisierungsmaschine.

Wie andere Parteien nutzt auch die »Alternative für Deutschland« (AfD) bei Parteitagen inzwischen ein elektronisches Abstimmungssystem. So auch bei ihrem Kongress Ende November in Gießen, die Testfrage lautete: »Hatten sie eine gute Anreise?« Knapp zwei Drittel der Anwesenden stimmten mit »Nein« ab. Auch der Beginn des Kongresses verspätete sich um mehr als zwei Stunden. Die vielfältigen Proteste und Blockaden rund um die Hessenhalle hatten ihre Wirkung gezeigt. Doch in vielen Medien bestimmte oft die Stimmungsmache im Vorfeld und die Berichte über »von Chaoten geprägte Proteste« das Bild. Allein schon das »Vorhaben, Andersdenkende daran zu hindern, sich zu versammeln«, verletze die Demokratie, wetterte nicht nur die FAZ. All das lenkt davon ab, dass mit der Gründung der neuen »Generation Deutschland« (GD) die mitgliederstärkste extrem rechte Jugendorganisation seit 1945 entstanden ist.
Begleitet wurde die Gründung von der anwesenden Parteiprominenz: Knapp die Hälfte des AfD-Bundesvorstandes und 20 Bundestagsabgeordnete der AfD waren in Gießen anwesend. Erwartungsgemäß wurde Jean-Pascal Hohm, Landtagsabgeordneter aus Brandenburg, mit 90 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden der neuen Organisation gewählt. Gegenkandidat*innen hatte er nicht. Im Interview mit dem extrem rechten Magazin »Zuerst« erklärte er: »Ich persönlich stehe für eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vorfeld und bin mir sicher, dass echte politische Veränderung nur mit einem gesellschaftlichen Wandel möglich ist. Dafür brauchen wir ein starkes, vitales und eigenständiges politisches Vorfeld.« Dass Vertreter*innen dieses »Vorfeldes« bereits beim Gründungstreffen mit eigenen Ständen vertreten waren, verdeutlicht ihre Rolle beim Vorhaben der GD, Kaderschmiede für die Mutterpartei sein zu wollen. Auch das burschenschaftliche Milieu ist im 15-köpfigen Vorstand stark vertreten. Mit der Beisitzerin Julia Gehrckens ist das rechtsradikale Frauen-Netzwerk »Lukreta« repräsentiert. Zweite Frau im Bundesvorstand ist die stellvertretende Finanzbeauftragte Reinhild Goes aus Niedersachsen. Im Bundesvorstand dominieren die westdeutschen AfD-Landesverbände, nur vier Personen stammen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Noch im Dezember 2025 wurden Landesverbände in Bayern und Rheinland-Pfalz gegründet. Zum Gründungszeitpunkt soll die selbsternannte »Generation Deutschland« 2.000 Mitglieder gezählt haben, die gleichzeitig auch der AfD angehören. Als Vorsitzender soll Hohm mit Rückendeckung der Parteispitze dabei helfen, die AfD zu einer rechtsradikalen Bewegungspartei auszubauen, die noch tiefer in die bürgerliche Mitte hineinwirken soll. Dazu will er »eng mit dem politischen Vorfeld und unseren parteinahen Stiftungen, der Partei selbst und der neu gegründeten ‹Akademie Schwarz Rot Gold› zusammenarbeiten«, wie Hohm ankündigte. Seine Personalie war Teil einer vorher abgestimmten Konsens-Liste, die überwiegend harmonisch durchgewunken wurde. Als Mio Trautner aus Heilbronn bei der Wahl um das Amt des Beisitzers Julia Gehrckens unterlag, zog er seine Kandidatur für ein anderes Amt zurück, weil er sich »im Gegensatz zu anderen an die Konsensvereinbarung« halte. Von anderen Kandidaten sei er schwer attackiert worden, »wie es nicht vereinbart war«. Eine andere Äußerung auf dem Treffen zieht jetzt offenbar juristische Konsequenzen nach sich. Der frisch gewählte Beisitzer Kevin Dorow aus dem AfD-Landesvorstand Schleswig-Holstein betonte in seiner Rede: »Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.«
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Der nationalsozialistisch geprägte Spruch war ein Kernsatz der Hitlerjugend, der nach Dorows Willen zum »Leitstern« der neuen AfD-Jugend wird. Der ehemalige Geschichtslehrer Höcke hatte den Spruch im August verbreitet, seinen Post aber später wieder gelöscht. In Gießen erhielt Dorow dafür Szenenapplaus. Die Staatsanwaltschaft Gießen kündigte an, sie prüfe die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Dorow wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher und terroristischer Organisationen. Anders sieht es bei der Reaktion der Parteispitze aus. Auf die Äußerung angesprochen, gab sich die Bundesvorsitzende Alice Weidel lediglich »erstaunt« über die historischen Hintergründe und relativierte sie mit einem launigen »Na, und?«. Die Neugründung der Jugendorganisation steht selbstredend nicht für eine Deradikalisierung, sie professionalisiert die alte Radikalisierungsmaschine, die vorher die »Junge Alternative« bis zu ihrer Auflösung gewesen war. Dafür dürfte die GD über wesentlich mehr finanzielle Mittel verfügen. Der Wechsel von der Vereinsstruktur der JA zu einer Anbindung an die Partei macht zudem ein mögliches Verbot sehr viel schwieriger.