Milliardär macht Politik

von Volkmar Wölk
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 217 - November | Dezember 2025

Vierzehn Jahre lang leitete Pascal Eysseric die »Éléments«, eine Publikumszeitschrift der »Nouvelle Droite« – zunächst als Chefredakteur, danach als Redaktionsdirektor. Mit 17 Jahren hatte der 1972 geborene Journalist die erste Sommeruniversität des GRECE besucht und sich danach, in einer Zerfallsphase der »Nouvelle Droite«, für deren kurzlebiges Magazin »Cartouches« mit der Zielgruppe Jugend engagiert. Dann kündigte die Zeitschrift plötzlich sein Ausscheiden an. Er werde »zur großen Presse« in leitender Funktion wechseln.

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Vincent Bolloré

Doch in keinem Blatt der »großen Presse« – nicht in Tageszeitungen, nicht in Wochenblättern, nicht in diversen Magazinen – tauchte der Name Pascal Eysseric auf. Allerdings verzeichnete die Sonntagszeitung »Le Journal du dimanche« mit einer Auflage von etwa 250.000 Exemplaren einen Neuzugang als Redaktionsgeschäftsführer, einen gewissen Pascal Meynadier, der für die Wochenzeitschrift »Paris Match« gearbeitet hatte. »Paris Match« und »Le Journal du dimanche« gehören zu gleichen Verlagsgruppe.

Des Rätsels Lösung war einfach: Der Journalist bei »Paris Match«, beim »Journal du dimanche« und bei den neu-rechten »Éléments« war ein und dieselbe Person. Pascal Meynadier hatte sich lange Jahre hinter dem Pseudonym »Pascal Eysseric« verborgen. Für den »Paris Match« hatte er zum Broterwerb gearbeitet, für die »Éléments« aus politischer Überzeugung. Sein Vater ist ein Kader des GRECE in der Provence schon seit dessen Gründungszeit.

Übernahme von oben
Dass Meynadier ausgerechnet im August 2023 zu seinem neuen Arbeitgeber wechselte, geschah keineswegs zufällig. Er kam in einer Phase der Unruhe zum Blatt, während eines heftigen Widerstands der Mehrheit der Redaktion gegen Entscheidungen des neuen Eigentümers. Es wurde gestreikt und verloren. Viele der Streikenden verließen die Sonntagszeitung. Ihr Hauptkritikpunkt war die Ernennung von Geoffroy Lejeune zum Chefredakteur. Dieser war bis dahin in gleicher Funktion für das wöchentlich erscheinende Magazin »Valeurs actuelles« (»Aktuelle Werte«) tätig gewesen, das für eine »geeinte Rechte« – von den Konservativen bis Éric Zemmour – wirbt. Er selbst steht Zemmour und Marion Maréchal nahe. Eine der ersten Personalentscheidungen von Lejeune war es, Meynadier zu verpflichten. Die Absicht war offenkundig: Die Umgestaltung des angesehenen Blatts in ein Organ der extremen Rechten. Inzwischen kann festgestellt werden: Mission complete. Außerdem erscheint mittlerweile zusätzlich das Magazin »JDNews«, das auch prominente Namen bietet wie den des Philosophen Michel Onfray oder Marion Maréchal, der Nichte von Marine Le Pen.

Vincent Bolloré
Das »Journal du dimanche« ist nur ein Beispiel – ein prominentes – für die laufende Umgestaltung der Medienlandschaft in Frankreich. Konservative Zeitschriften wie die »Valeurs actuelles« werden zu Blättern der extremen Rechten, seriöse Zeitungen wie das »Journal du dimanche« werden aufgekauft und auf Rechtsaußen-Kurs getrimmt. Neue Magazine wie die identitären »Frontières« (»Grenzen«), die Querfront-Zeitschrift »Front Populaire« von Michel Onfray oder das russophile »Omerta«, dessen Besitzer ein seit Jahren in Moskau lebender französischer Geschäftsmann ist, sind an jedem Kiosk erhältlich. Zu dieser Medienoffensive der extremen Rechten auf dem Printsektor kommt – weit wichtiger noch – die zunehmende Besetzung des privaten Fernsehmarkts durch einschlägige Sender. Zu nennen ist hier vor allem der Kanal »CNews«, der 1999 als Bezahlsender begann und inzwischen frei zugänglich ist. Wie das »Journal du dimanche« wurde »CNews« aufgekauft, wie dieses gegen den Willen der Redaktion umgestaltet, wie dort verließ deshalb ein großer Teil der Redaktion den Sender. Und hier wie dort ist der neue Eigentümer der gleiche Mann: der Milliardär Vincent Bolloré. Bei »CNews« gelangte Éric Zemmour mit seinen Sendungen zu überregionaler Bekanntheit, schuf sich ein Massenpublikum, verbreitete sein rassistisches Gedankengut und schuf sich letztlich die Grundlage zur Gründung seiner eigenen Partei »Reconquête« (»Wiedereroberung«). Heute ist es normal, dass Kader der »Identitären«, katholische Fundamentalist*innen und Aktive am rechten Rand des Konservatismus zu den Protagonist*innen des Senders gehören.

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»CNews« hat Erfolg bei den Zuschauer*innenzahlen, steht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Dies ändert nichts daran, dass es bisher kaum gelingt, über das Lager der extremen Rechten hinauszuwirken. Es ändert auch nichts daran, dass der Sender chronisch defizitär ist. Entscheidend für die Programmmacher*innen wie für den Besitzer ist der Umstand, dass mit »CNews« eine alternative Realität produziert werden kann, die der eigenen, extrem rechten Ideologie entspricht. Das extrem rechte Publikum wird mit den entsprechenden Inhalten gefüttert und kann dabei andere Informationsquellen vollständig ausblenden. Es entsteht eine Blase, in der sich die Gleichgesinnten bewegen und außerhalb derer die Feinde lauern.

Schöpfer dieses Medienkonzerns ist der Milliardär Vincent Bolloré, einer von mehreren französischen Superreichen, welche die extreme Rechte auf unterschiedliche Weise nach Kräften fördern. Wohlgemerkt die extreme Rechte, nicht nur den »Rassemblement National« (RN, »Nationale Sammlung«) von Marine Le Pen und ihren Adlatus Jordan Bardella. Das gilt, obwohl bei der letzten Parlamentswahl gleich drei Moderatoren von »CNews« für den RN kandidierten, von denen einer gewählt wurde. Den von ihm kontrollierten Medien untersagte er, den RN als »rechtsextrem« zu bezeichnen.

Ganz »metapolitisch« aber geht es ihm nicht um den kurzfristigen Wahlerfolg, sondern um die Erringung einer langfristigen Hegemonie und die Umgestaltung des Meinungsklimas. Wie im Fall der Förderung von Zemmour kann es dabei dann eben auch nützlich sein, den RN von rechts unter Druck zu setzen und gleichzeitig neue Schichten für die extreme Rechte zu erschließen. Man unterstützt Putin, man unterstützt Trump, man unterstützt Netanjahu. Vor allem aber kämpft man gegen den »Wokismus«, das Linksbündnis und dort vor allem gegen La France Insoumise (Das nichtunterworfene Frankreich).

Vincent Bolloré ist neben dem fundamentalistischen Katholiken Pierre-Édouard Stérin und Milliardärskollegen der wohl bekannteste Unternehmer, der sich als Förderer der extremen Rechten einbringt. Bolloré ist kein Selfmade-Man, sondern stammt aus einer mehr als wohlhabenden Familie. Sein Vermögen wird auf mindestens vier Milliarden Euro geschätzt. Dem Erwerb eines niedrigen juristischen Grades folgte erst eine Kurzausbildung bei Rothschild, dann die Übernahme des in Familienbesitz befindlichen Mischkonzerns. Sein rücksichtsloses Geschäftsgebaren veranlasste die Tageszeitung Die Welt zu dem Urteil, er sei »der am meisten gefürchtete Investor Frankreichs«, er gelte »als skrupellos, als Meister der Verunsicherung«. Kurz: eine Art französischer Mini-Musk.

Reaktionär mit Strategie
Laurent Mauduit, Journalist und Spezialist für die Beziehungen zwischen Politik und Unternehmertum, beschreibt in seinem jüngsten Buch »Collaborations. Enquête sur l’extrême droite et les milieux d’affaires« (»Zusammenarbeit. Untersuchung über die extreme Rechte und die Geschäftswelt«), dass Bolloré auch nicht davor zurückschrecke, Tabus der französischen Geschichte zu brechen. Als er 2015 den heutigen Sender »CNews« übernahm, übertrug er dessen Leitung an Guillaume Zeller, der in ultra-konservativen katholischen Kreisen aktiv und nach Ansicht vieler Redaktionsmitglieder unqualifiziert für diesen Posten war. Sein Großvater, André Zeller, war einer jener vier Generäle, die in Algier während des algerischen Unabhängigkeitskampfes gegen die französische Regierung putschten und damit den Terror der »Organisation de l’armée secrète«(»Organisation der geheimen Armee«, OAS) starteten. Sein Vater, Bernard Zeller, leitete über Jahre die »Vereinigung der Freunde von Raoul Salan«, eines weiteren Putschisten und Chefs der OAS. Guillaume Zeller bewegte sich ebenfalls in genau jenen Kreisen und teilte deren Positionen.

Diese Beispiele zeigen, dass Bolloré planvoll vorgeht. Die geschilderten Personalien sind keineswegs nur Einzelfälle. Er, wie auch andere Unternehmer, die offen die extreme Rechte fördern, weiß genau, dass Macron 2027 nicht erneut kandidieren kann. Sie wissen außerdem, dass im liberalen und konservativen Lager weit und breit keine Persönlichkeit in Sicht ist, die ihm im Amt nachfolgen könnte. Die Förderung aussichtsreicher Kandidat*innen der extremen Rechten schafft Abhängigkeiten, die nach einem Wahlsieg auch geschäftlich nützlich sein können. Damit hätte sich das chronische Defizit von »CNews« letztlich mehr als ausgezahlt, wäre zu einer lohnenden Investition geworden. Und wenn es wider Erwarten nicht klappen sollte mit den Wahlsieg, dann macht man einfach weiter Kulturkampf.

Zusätzlich der Hinrichtung von Renee Good. #USAIn #ICE Haft – Todesfälle 3. – 9. Januar 2026.Bei ihnen handelt es sich um zwei Männer aus Honduras je einen aus Kuba und Kambodscha. Sie folgen auf 30 Tote ?im Gewahrsam der Behörde in 2025, was der höchste Stand seit zwei Jahrzehnten ?war.

#AntifaMagazin der rechte rand (@derrechterand.bsky.social) 2026-01-13T10:57:09.423Z