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“Thüringentag der nationalen Jugend”

Nahezu ungestört feierten mehrere Hundert Neonazis am 13. Juni in Arnstadt den “8. Thüringentag der nationalen Jugend”.
Während die Neonazis ungeniert ihren “nationalen Sozialismus” mitten in Arnstadt feierten, setzte sich der Bürgermeister der Kleinstadt nur wenige Hundert Meter weiter fröhlich zu älteren Damen auf eine Bank am Schloss. Hans- Christian Köllmer (”Pro Arnstadt”) hielt es nicht für nötig, eine kleine Gegendemonstration zu unterstützen.
Im Gegenteil: Auf sein Geheiß hin sollen Plakate mit der Aufschrift “Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt” von Mitarbeitern der Stadt entfernt worden sein. Bereits im Mai sorgte Köllmer im Stadtrat für Empörung, weil er den bevorstehenden “Thüringentag” der Neonazis nicht bekannt gegeben und dann noch heruntergespielt habe. Es kam zum Eklat, als er schwadronierte, er entgegne allen, “die ihn für einen kleinen Nazi” hielten: “Im Nazi ist mir zu viel Sozialismus drin!” Während er sich in diesem Jahr weigerte, einen Gedenktag zum 60. Jahrestag des Kriegsendes auszurichten, hat er offenbar nichts gegen den neonazistischen “Thüringentag” im städtischen Schlosspark. Zeitungen zitierten ihn: “Warum sollten wir die Veranstaltung nicht genehmigen?”
Vor allem “Freie”
Zum “8. Thüringentag” hatten “Freie Kräfte” um Ralf Wohlleben und Patrick Wiedorn eingeladen. Der thüringische NPD-Chef Frank Schwerdt erschien erst am Spätnachmittag, er hatte zuvor mit Parteikadern den “Tag der offenen Tür” im Thüringer Landtag besucht. Insbesondere Anhänger des expandierenden “Freien Netzes” aus Sachsen und Bayern, aus militanten Kameradschaften wie der “Nationalen Offensive Schaumburg” und “Autonome Nationalisten” aus Dortmund nutzten das Fest zur Selbstdarstellung. So sprachen unter anderem Tony Gentsch aus Hof sowie der frühere Anhänger der verbotenen “Fränkischen Aktionsfront”, Matthias Fischer. An einem Verkaufsstand stand Enrico Marx aus Sotterhausen in Sachsen-Anhalt. Neben dem Infotisch des “nationalen Antikriegstages in Dortmund” warben niedersächsische und ostwestfälische Rechte für eine Demonstration in Bad Nenndorf, unter ihnen Arwid Strelow. Er war im Oktober 2007 zu 26 Monaten Haft verurteilt worden und offenbar bereits im November 2008 wieder aus der JVA Göttingen entlassen worden. Eine andere Initiative forderte “Genderterror abschaffen”. Ehemalige Skingirls aus dem Umfeld von Isabell Pohl vom “Feenwald-Projekt” betreuten hier Kinder. Ein kleines Mädchen mit Zöpfen trug ein schwarzes T-Shirt mit Thorshammer. Auf dem Pullover eines größeren Jungen stand “Wikinger”.
Während sie malten, tönte Rechtsrock aus den Lautsprechern des Festes. Als die Liedermacher Maximilian und Tobias auftraten und das Rennsteig- Lied anstimmten, sangen vor allem die Frauen und Männer aus den Reihen der verbotenen “Heimattreuen Deutschen Jugend” (HdJ) begeistert mit. Nicht nur die Arnstädter Steffen Hennrich und Marlene Schneider fühlten sich sichtlich wohl zwischen schwarz-gekleideten “Autonomen Nationalisten” und tätowierten Skins. Der Eisenacher Lars Mittelbach unterhielt sich mit einem Ordner und ein anderer, der auch an einer HdJ-Wanderung 2008 in Eisenach teilgenommen hatte, wippte seinen Sohn auf der Schulter.
Musik und Reden
Im Laufe des Nachmittags spielten “Fight Tonight” aus Sachsen-Anhalt, “Libertin” aus dem Ruhrgebiet sowie die Cottbuser Rechtsrockband “Frontalkraft” Hardcore-Musik. AN-Stratege Dennis Giemsch aus Dortmund warb auf der Bühne für seine nationale Antikriegsinitiative. Er forderte in seiner Rede: “Die politische und wirtschaftliche Freiheit und die Souveränität unserer Nation, wie auch der ideologische Fortbestand von Volk und Rasse werden uns nicht geschenkt, wir müssen sie erkämpfen!”
Erwartungsgemäß schlug Dennis Bührig, als militant geltender Aktivist der “Kameradschaft Celle 73″, antisemitische Parolen an und huldigte seinem Hang zum Nationalsozialismus. Er hetzte gegen die “weltweite zionistische Bedrohung” und die “Überfremdung” und rief dazu auf: “Helfen wir alle mit vollem Einsatz, unser Volk auferstehen zu lassen”. Und “zeigen wir der Welt, dass das deutsche Volk sich nicht auf Dauer unterdrücken lässt”. So solle es “wie Phoenix aus der Asche” auferstehen und die “Ketten der Knechtschaft” sprengen. In Anlehnung an die verbotene Waffen-SS ermahnte er: “Kämpfen wir in der Tradition unserer Kameraden”, welche “heute Verbrecher genannt werden”. Mit direktem Bezug auf die Hakenkreuzfahne forderte er:
“Tragen wir die Fahne im Herzen, unter der unsere Großväter fielen und lassen sie zu neuen Leben erwachsen!” Dann zitierte er ein Gedicht mit dem Titel: “An einen Arbeiter”, welches “aus besseren Zeiten” stamme.
Als einzige weibliche Vertreterin durfte Pohl, ehemalige Anhängerin der “Aktiven Frauen-Fraktion”, auf die Bühne. Wie es von ihr erwartet wurde, widmete sich die Erfurterin dem Thema Kinder und Familie. Sie wünschte sich mehr “deutsche Geschichte” in den Schulen, “damit die Kinder die Ehrfurcht vor der Vergangenheit” lernten. Ihre Parole: “Deutsche Menschen” sollten die Welt mit “mit deutschen Augen und deutschen Herzen” sehen. Wenn es um die Kinder gehe, so Pohl, “will man das Beste für sie”. Das sei aber nicht “diese Bildungspolitik”, “nicht diese Frauenpolitik, nicht diese Gesetzespolitik – und das ist nicht dieser Staat!” Gegen Ende der Veranstaltung erreichte die Stimmung beim Auftritt von “Frontalkraft” ihren Höhepunkt. “Schwarz ist die Nacht, in der wir siegen. Weiß sind die Männer, die für Deutschland siegen. Rot ist das Blut auf dem Asphalt”, skandierte Sänger Sten Söndel und viele Dutzend Kehlen sangen im Arnstädter Schlosspark inbrünstig mit.
Von Andrea Röpke

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